Laut Wikipedia ist ein Plagiat (von lat. plagium, „Raub der Seele“) das Aneignen fremder geistiger Leistungen. Dies kann sich auf die Übernahme fremder Texte oder anderer Darstellungen (…) beziehen.
Prominente Plagiatoren wie Herr zu Guttenberg und Frau Koch-Mehrin waren erst kürzlich ertappt worden, weil sie offenbar recht ungeniert große Teile ihrer Dissertationen abgeschrieben hatten.
Als ich nun letzte Woche im Otzberg-Bote die Kooperationsvereinbarung zwischen CDU und WGO zu lesen begann, kam mir einiges sehr vertraut vor. Der weitaus größere Teil der Kooperationsvereinbarung entspricht genau dem, was GALOB, WGO und SPD verfasst hatten. Dabei stammt die Präambel gleich zu Beginn aus meiner Feder. Diesen Text hatte ich für die Kooperationsvereinbarung von GALOB, WGO und SPD beigesteuert. Neben vielen anderen Personen, die wesentlich größere Textpassagen beigetragen haben, bin ich sozusagen einer der Ghostwriter der Kooperation zwischen CDU und WGO – eine völlig neue Erfahrung.
Etwas verärgert bin ich natürlich schon, denn ich hatte den Text für diesen Zweck nicht autorisiert.
Während das meiste aus den Vereinbarungen zwischen GALOB, WGO und SPD stammt, musste die WGO offenbar bei den Themen Hallenbau in Habitzheim und Erweiterung des Gewerbegebietes Federn lassen. Im ersteren Fall wurde offenbar auf Wunsch der CDU eine weichere Formulierung gefunden, die eine Bezuschussung der Gemeinde nicht kategorisch ausschließt.
Allerdings bedeutet auch diese Formulierung im Ergebnis, dass der TSV Habitzheim keine finanzielle Unterstützung der Gemeinde erwarten darf. Beim Gewerbegebiet konnte sich die WGO ebenfalls nicht durchsetzen. Ihren eigenen Antrag aus der letzten Legislaturperiode den Beschluss über die Aufstellung eines Bebauungsplanes zur Erweiterung des Gewerbegebietes zurückzunehmen, wurde ad acta gelegt.
Die größten Unterschiede in den beiden Entwürfen finden sich aber beim Thema Energie.
Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Herren Plagiatoren ebenfalls den
Kooperationstext von GALOB, WGO und SPD übernehmen.
Fehlanzeige: Zu dem wichtigen Punkt der erneuerbaren Energien findet sich in der Vereinbarung von CDU und WGO nicht ein einziges Wort – schade!
Dennoch dürfte es in den nächsten Jahren in der Gemeindevertretung ein hohes Maß an Übereinstimmungen geben, zumindest in den „abgekupferten“ Themenfeldern.
Nur beim Thema Wasser – hier hatte die SPD im Interesse der Gesamtvereinbarung Zugeständnisse gemacht – bestehen Differenzen.
Wie kam es aber nun zu einer Kooperation zwischen CDU und WGO, wenn wie oben dargelegt die WGO beim Hallenbau und Gewerbegebiet eigene Positionen räumen musste?
Der CDU ist sicherlich kein Vorwurf zu machen. Sie hatte sich offenbar schon auf die Opposition eingerichtet. Als dann das überraschende Angebot der WGO kam, hat man kurzerhand zugegriffen.
„Wenn man vergleiche, was mit der GALOB und der SPD erarbeitet worden sei, fehle hier doch einiges, was die CDU im stärkeren Maße erfülle“, wird Herr Gresser zitiert.
Die Begründung des WGO-Vorsitzenden, die Zusammenarbeit mit der CDU basiere auf sachlichen Erwägungen ist nicht sehr glaubwürdig. Es ist der untaugliche Versuch von der eigentlichen Motivation abzulenken.
Meine Vermutung ist eine andere. Nach den Irritationen über die Position des 1. Beigeordneten (vgl. DE vom 04.05.2011) sah die WGO „ihre Felle davonschwimmen“.
Offenbar bestand die Befürchtung, dass die GALOB sich ihrem alten Koalitionspartner doch noch zuwenden könnte. Daher hatte man den schnellen Kontakt zur CDU gesucht, weil die WGO unbedingt den Vorsitz im Haupt- und Finanzausschuss und die Position des 1. Beigeordneten wollte. Es ging offensichtlich weniger um eine sachorientierte Arbeit, wie die WGO immer beteuert, sondern um handfeste personelle Interessen. Insofern unterscheidet sich die WGO nicht von anderen Wählergruppen und Parteien, auch wenn sie die „faktenbasierende, problemlösende
und sachorientierte Arbeit“, wie eine Monstranz vor sich herträgt.
Abschließend noch folgender Hinweis: Sie können übrigens wirklich vergleichen, die ursprüngliche Vereinbarung zwischen GALOB, WGO und SPD finden Sie hier. Die abgeschriebenen Passagen sind farblich markiert.
Clemens Laub