ENERGIE IST IHR PROGRAMM

Veröffentlicht am 08.08.2011 in Ortsvereine
 

Fast hätten die Genossen die örtliche CDU von der Macht verdrängt. Um Haaresbreite scheiterte das. Dennoch treiben sie die Energiewende im Odenwald konsequent voran.

Sie hatten alles richtig gemacht: einen engagierten Kommunalwahlkampf geführt, am 27. März Stimmen dazugewonnen und einen unterschriftsreifen Koalitionsvertrag ausgehandelt, die Genossen im Odenwald. „Und doch sind wir an der Gestaltungsmacht in Otzberg vorbeigeschrammt“, sagt Patrick Koch. Die erste Enttäuschung ist bei dem 35-jährigen OV- Vorsitzenden mittlerweile Ärger gewichen. Und das ist kein Wunder. Denn die idyllisch im hessischen Odenwald gelegene 6300-Einwohner Gemeinde Otzberg hat ihre eigene Plagiatsaffäre. „Wir hatten uns mit den Grünen und der Wählergemeinschaft nach langen Verhandlungen schon auf einen Koalitionsvertrag geeinigt“, erzählt Koch. Damit sollte die seit 22 Jahren regierende schwarz-grüne Koalition im Gemeinderat abgelöst werden. „Doch kurz bevor es zur Unterschrift kam, wollten die Grünen einige Punkte nachverhandeln.“ Die Wählergemeinschaft nutzte die Gelegenheit, sprach mit der CDU und unterschrieb plötzlich dort. Der zweite Skandal aus Sicht der Otzberger Sozialdemokraten folgte kurz darauf. „Der größte Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen CDU und Wählergemeinschaft entspricht genau dem, was wir mit den Grünen und der Wählergemeinschaft verfasst hatten“, schimpft OV-Mitglied Clemens Laub. Er hat beide Texte mit den markierten Plagiatsstellen ins Internet gestellt. An einem Freitagabend Ende Juni feiern die Otzberger Genossen trotzdem. In einer Scheune im Ortsteil Habitzheim haben sie ein Zelt aufgestellt. Draußen gehen immer wieder Regenschauer nieder. Am Grill steht Patrick Koch in einer roten Schürze und wendet Würste und Steaks. „Das Sommerfest ist auch ein Dank an unsere Mitglieder, die sich im Wahlkampf sehr engagiert haben. Wir sind eine gute Gemeinschaft, da feiert man auch gerne zusammen.“ Rund 40 der 100 Otzberger Sozialdemokraten sind gekommen. „Ich möchte nicht, dass Nichtmitglieder über unsere Kandidaten entscheiden“, sagt einer. „Aber dass die Mitglieder jetzt mehr mitmachen sollen, finde ich schon gut“, ein anderer. Die Parteireform ist auch in Otzberg Thema. In kleinem Rahmen hat sie hier bereits stattgefunden. „Als ich vor zehn Jahren OV-Vorsitzender wurde, haben wir die Ortsbezirke abgeschafft“, erzählt Koch. Bis dahin hatte es in jedem der sechs Ortsteile eine eigene Untergruppe des SPD- Ortsvereins gegeben, in denen aber keine Arbeit mehr stattfand. „Man muss den Kirchturm aus den Köpfen rausbekommen“, beschreibt Koch das Denken in größeren Zusammenhängen. Das gilt für ihn auch in der Kommunalpolitik. „Die SPD in Otzberg setzt sich seit Jahren dafür ein, dass wir unsere Wasserversorgung nicht mehr allein betreiben, sondern einem Gruppenwasserwerk mit den umliegenden Gemeinden beitreten.“ Das würde auch den Wasserpreis senken und die – ohnehin klamme – Gemeindekasse entlasten. Hauptanliegen der Otzberger Sozialdemokraten ist aber die Energiewende. „Wir hatten das Thema nie so richtig auf dem Schirm“, gibt Koch zu, „bis der Klaus zu uns kam“. Klaus Schulz trat 2008 in die Partei ein – „wegen Andrea Ypsilanti und Hermann Scheer“, wie er sagt. Deren Pläne für die zukünftige Energieversorgung Hessens gefielen Schulz, der als Energiebeauftragter an den OV-Vorstand angedockt wurde. Gemeinsam überlegten sie, wie Otzberg sich in Zukunft selbst mit Energie versorgen könnte, planten Photovoltaikanlagen und Windräder. „Wir sind hier grüner als die Grünen“, scherzt Koch. Die CDU habe an das Thema ohnehin nie gedacht. Der OV- Vorsitzende ist deshalb sicher: „Unser Energiekonzept hat entscheidend zum ersten Bruch einer schwarz-grünen Koalition in unserer Region beigetragen.“ Dass es durch die Querelen mit der Wählergemeinschaft dennoch nicht zur Mehrheit im Gemeinderat gereicht hat, ärgert die OV-Mitglieder noch immer. Doch sie sind sicher: Die Energiewende wird in Otzberg trotzdem kommen. „Im Gemeinderat haben wir gerade einen Energiearbeitskreis eingerichtet“, sagt Koch. „Dass wir hier Windkraftanlagen bauen, ist keine Frage des Ob, sondern des Wann, Wo und Wie.“

Bundestagsabgeordneter

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