Selten ergreifen in Sitzungen des Gemeindeparlamentes so viele Parlamentarier zu einem einzigen Tagesordnungspunkt das Wort wie in der vergangenen Sitzung. Es ging darum, ob die Gemeinde Otzberg eine Sport-(und Kulur-)halle an der Otzbergschule baut.
Wie so oft gab es zahlreiche Argumente dafür und dagegen. Zunächst stellte der Bürgermeister das Vorhaben vor und präsentierte einen vorläufigen Entwurf. Von diesem Entwurf waren viele Gemeindevertreter auch sehr angetan. Die Freude über eine mögliche Halle in Lengfeld schwand jedoch, als der Bürgermeister die Kosten für das Projekt präsentierte. War man zunächst von ca. 2,0 bis 2,5 Millionen Euro ausgegangen waren nun 3,0 Millionen "grob geschätzt". Auf Nachfrage der SPD musste Ohlemüller einräumen, dass in diesem Betrag die zu zahlende Mehrwertsteuer von ca. 600.000 Euro noch gar nicht enthalten ist. Zur Gegenfinanzierung des, dann wohl 3,6 Millionen € teuren Projektes, reichen die 715.000 € Kreiszuschuss und rund 600.000 Euro Mittel aus dem Konjunkturpaket nicht aus. Das hätte zur Folge, dass die Gemeinde Otzberg rund 2,3 Millionen Euro aus eigener Tasche, durch Kreditaufnahmen, bezahlen müsste.
Zu teuer fanden die Vertreter von WGO, GALOB und SPD, zumal die Planung nicht mal eine Bühne vorgesehen hatte. Da weder die Finanzierung des Baus, noch die Unterhaltung der Halle auch nur ansatzweise darstellbar waren, lehnte die Gemeindevertretung den Bau der Halle ab. Auch aus der CDU gab es einige kritische Stimmen zu dem Projekt.
"Man muss sich überlegen, ob man selbst bei sich zuhause auch solch ein finanzpolitisches Abenteuer eingehen würde!" befand Patrick Koch von der SPD. "Wenn bei meinem Haus die Fenster erneuert werden müssen, die Heizung defekt ist und das Dach dringend repariert werden muss kann ich mir nicht noch ein neues Auto kaufen!". So sehr eine neue Sporthalle gebraucht werde, müsse man erst einmal die dringend notwendigen Maßnahmen in Otzberg angehen. Ob die Sanierung des Volkshauses, des Kindergartens in Nieder-Klingen oder der Neubau des Fußweges zur Veste Otzberg - in jedem Ortsteil gibt es dringenden Investitionsbedarf.
So beauftragte die Gemeindevertretung dann auch den Haupt- und Finanzausschuss eine Prioritätenliste zu erstellen, damit die 600.000 € aus dem Konjunkturpaket in allen Otzberger Ortsteilen investiert werden können. Für die Zukunft ist es wichtiger, die Bauwerke, die man hat, zu erhalten und ggf. Kosten beim Energieverbrauch einzusparen, als eine Sporthalle zu bauen. Eine Halle ist nur schwer bezahlbar, verursacht zusätzliche Kosten und bindet Geld für dringende Erhaltungsmassnahme andernorts.
Die Gemeindevertretung ist deshalb mit ihrem "Nein" zum Hallenbau ihrer Verantwortung für die finanzielle Zukunft der Gemeinde Otzberg gerecht geworden.